Das Silicon Valley ist links? Das war eine beliebte Vorstellung. Immerhin standen die genialischen kalifornischen Vorreiter des digitalen Zeitalters für progressive Ideen, für einen Fortschritt, der sich mit mehr Teilhabe verbinden sollte, für den offenen Zugang zu Bildung, für menschenfreundlichere Formen des Arbeitens und die weltweite Verbreitung demokratischer Praktiken. Mit dem einseitigen Optimismus ist es längst vorbei. Viele bahnbrechende Erfindungen aus dem Silicon Valley haben die Versprechen nicht eingelöst, die man mit ihnen verband; sie offenbaren dunkle Seiten und triggern heftige Zukunftsängste, die aktuelle Diskussion über Gefahren der Künstlichen Intelligenz zeigt es beispielhaft. Doch die Verheißung linker Ideale steht nicht einfach nur infrage, sie ist womöglich durch ihr Gegenteil bedroht: Es sieht so aus, als bediene sich eine neue Rechte besonders aktiv und geschmeidig all der neuen Möglichkeiten. Was bedeutet also rechtes Denken im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz? Sind die KIs der Zukunft am Ende gar autoritäre Androide? Dieser Frage geht Hannah Lühmann nach.